5.5 Sicherheitskennzeichnung nach ASR A1.3
Kurz erklärt
Sicherheitszeichen sprechen eine eigene Sprache aus Farben und Formen: Verbot, Warnung, Gebot, Rettung und Brandschutz erkennst du auf einen Blick. Im Wachdienst musst du diese Zeichen sicher deuten, Flucht- und Rettungspläne lesen und Mängel an der Kennzeichnung melden.
Wichtige Punkte
- Verbotszeichen: rund, roter Rand und Querbalken, schwarzes Symbol auf weißem Grund.
- Warnzeichen: dreieckig, gelb mit schwarzem Rand und Symbol.
- Gebotszeichen: rund, blau mit weißem Symbol.
- Rettungszeichen: rechteckig oder quadratisch, grün mit weißem Symbol; Brandschutzzeichen: rechteckig oder quadratisch, rot mit weißem Symbol.
- Flucht- und Rettungspläne zeigen den eigenen Standort, Fluchtwege, Sammelstelle, Erste-Hilfe- und Brandschutzeinrichtungen.
Lernziele
- Du kannst die fünf Gruppen von Sicherheitszeichen nach Farbe und Form unterscheiden.
- Du kennst typische Beispiele für jede Zeichengruppe.
- Du weißt, welche Informationen ein Flucht- und Rettungsplan enthält.
- Du kennst deine Aufgaben rund um Kennzeichnung, Fluchtwege und Sammelstelle im Dienst.
Warum Sicherheitskennzeichnung?
Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) verlangt eine Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung, wenn sich Gefährdungen nicht durch technische oder organisatorische Maßnahmen ausschließen lassen. Wie diese Kennzeichnung aussieht, konkretisiert die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.3; die Zeichen selbst entsprechen der Norm DIN EN ISO 7010. Der Vorteil: Die Zeichen sind sprachunabhängig und werden international verstanden.
Für dich im Wachdienst ist das doppelt wichtig. Du musst die Zeichen selbst beachten – etwa in Industrieobjekten – und du kontrollierst bei Rundgängen häufig, ob Notausgänge, Fluchtwege und Feuerlöscher richtig gekennzeichnet und frei zugänglich sind.
Sicherheitsfarben und ihre Bedeutung
- Rot: Verbot, Halt, unmittelbare Gefahr – und Brandschutz.
- Gelb: Warnung, Vorsicht.
- Blau: Gebot, also eine Pflicht.
- Grün: Gefahrlosigkeit, Rettung, Erste Hilfe.
Die fünf Zeichengruppen
Verbotszeichen – rot, rund
Weißer Grund, roter Rand, roter Querbalken, schwarzes Symbol. Beispiele: „Rauchen verboten“, „Keine offene Flamme“, „Zutritt für Unbefugte verboten“, „Mit Wasser löschen verboten“.
Warnzeichen – gelb, dreieckig
Gelber Grund, schwarzer Rand, schwarzes Symbol, Spitze nach oben. Beispiele: „Warnung vor elektrischer Spannung“, „Warnung vor Hindernissen am Boden“, „Warnung vor Rutschgefahr“, „Warnung vor Flurförderzeugen“.
Gebotszeichen – blau, rund
Blauer Grund, weißes Symbol. Beispiele: „Gehörschutz benutzen“, „Fußschutz benutzen“, „Kopfschutz benutzen“, „Warnweste benutzen“.
Rettungszeichen – grün, rechteckig oder quadratisch
Grüner Grund, weißes Symbol. Beispiele: „Notausgang“ mit Richtungspfeil, „Erste Hilfe“, „Notruftelefon“, „Automatisierter externer Defibrillator“, „Sammelstelle“.
Brandschutzzeichen – rot, rechteckig oder quadratisch
Roter Grund, weißes Symbol. Beispiele: „Feuerlöscher“, „Löschschlauch“, „Brandmelder“ (Handfeuermelder), „Brandmeldetelefon“.
Zusatzzeichen sind rechteckig, meist weiß mit schwarzer Schrift, und erläutern ein Sicherheitszeichen – allein haben sie keine Bedeutung. Für Hindernisse und Gefahrstellen gibt es außerdem Streifenmarkierungen: gelb-schwarz für ständige Gefahrstellen wie Stoß- oder Stolperstellen, rot-weiß vor allem für zeitlich begrenzte Gefahrstellen, etwa Absperrungen an Baustellen.
Anforderungen an die Zeichen
Sicherheitszeichen wirken nur, wenn man sie rechtzeitig sieht. Sie müssen deshalb gut erkennbar, ausreichend groß für die Entfernung, aus der sie gelesen werden, dauerhaft angebracht und ausreichend beleuchtet sein. Zu viele Zeichen auf engem Raum lenken ab und werden übersehen. Verblasste, verdeckte oder beschädigte Zeichen sind ein Mangel, den du melden solltest.
Flucht- und Rettungspläne
Wenn Lage, Ausdehnung oder Nutzung eines Gebäudes es erfordern, muss der Arbeitgeber Flucht- und Rettungspläne aushängen (ASR A2.3). Sie sind lagerichtig angebracht, das heißt, die Darstellung entspricht der Blickrichtung des Betrachters. Ein Plan enthält:
- den Grundriss mit dem eigenen Standort („Sie befinden sich hier“),
- die Flucht- und Rettungswege in Grün,
- die Sammelstelle,
- Erste-Hilfe-Einrichtungen und Brandschutzeinrichtungen,
- Verhaltensregeln im Brandfall und bei Unfällen.
Rettungszeichen sind häufig langnachleuchtend oder werden von einer Sicherheitsbeleuchtung angestrahlt, damit Fluchtwege auch bei Stromausfall erkennbar bleiben.
Die Sammelstelle
Die Sammelstelle liegt außerhalb des Gefahrenbereichs und ist mit einem grünen Rettungszeichen gekennzeichnet. Dort wird festgestellt, ob alle Personen das Gebäude verlassen haben. Wer an der Sammelstelle angekommen ist, bleibt dort, bis die Einsatzleitung etwas anderes sagt – sonst wird er womöglich als vermisst gesucht.
Deine Aufgaben im Dienst
Bei Kontrollgängen achtest du darauf, dass Notausgänge nicht verschlossen oder zugestellt sind, Rettungszeichen sichtbar und unbeschädigt sind und Feuerlöscher an ihrem gekennzeichneten Platz hängen. Mängel meldest du sofort und dokumentierst sie im Wachbuch.
Typische Prüfungsfallen
- Rot rund ist Verbot, rot rechteckig ist Brandschutz.
- Blau bedeutet Pflicht, nicht bloß „Hinweis“.
- Grün steht für Rettung und Erste Hilfe, nicht für Brandschutz.
- Warnzeichen sind Dreiecke – kein anderes Zeichen hat diese Form.
- Zusatzzeichen gelten nur zusammen mit einem Sicherheitszeichen.
Praxisbeispiel
Beim nächtlichen Rundgang in einem Bürogebäude stellt Wachfrau Lea fest, dass vor einem Notausgang mit grünem Rettungszeichen mehrere Umzugskartons gestapelt sind und das Brandschutzzeichen „Feuerlöscher“ über einer leeren Halterung hängt. Sie räumt die Kartons zur Seite, sodass der Fluchtweg wieder frei ist, meldet den fehlenden Feuerlöscher an die Objektleitung und hält beides mit Uhrzeit im Wachbuch fest.
MerksatzRot rund verbietet, gelb im Dreieck warnt, blau rund gebietet, grün rettet – und rot eckig zeigt den Brandschutz.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Stand: 10/2026 · Fehler entdeckt? Nutze „Fehler melden“ unten.